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Eisenerz zum hohen Preis |
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Die Hoffnung liegt in der Privatisierung Einst baute die DDR mit am Bergbau- und Aufbereitungskombinat Kriwoi Rog – Über Jahre machte das Wort vom Milliardengrab die Runde |
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Vor
rund 20 Jahren, im Herbst 1985, zogen hoffnungsvoll die ersten von
mehreren tausend Bauleuten aus fünf sozialistischen Staaten - Sowjetunion,
DDR, CSSR, Rumänien, Bulgarien – in eine provinziell-stille
Ecke der Ukraine. Unter ihnen auch Kollegen aus dem Raum Karl-Marx-Stadt,
Geliebt wie ein Kuckucksei Der DDR-Wirtschaft verlangte das Vorhaben das Letzte ab, das BAK war zusätzlich zum Plan zu schultern. Ursprünglich sollte die DDR Werkshallen, Ausrüstungen, Verwaltungs-und Betriebsgebäude und einen Wohnbaukomplex liefern, alles in allem im Wert 243,2 Millionen Rubel, dazu noch ein zeitweiliges Bauarbeiterdorf und eine Baustelleneinrichtung. Angesichts der Uneffektivität liebte der damalige DDR-Minister für Erzbergbau, Metallurgie und Kali Kurt Singhuber das Vorhaben BAK wie ein Kuckucksei. Leichte Freude zeigte er erst 1987 nach Absenkung der DDR Beteiligung auf 4,84 Prozent - auf 104,4 Millionen Rubel. Dieser diffizile Hintergrund blieb geheim, wie überhaupt das Vorhaben in der DDR das Siegel der Verschwiegenheit bekam Nach vielen Anlaufschwierigkeiten war das Projekt Ende der 80er Jahre in voller Fahrt, auf der kilometerlangen Baustelle waren Stahl und Betonskelette für die riesigen Werkshallen aus dem Boden gewachsen. Aber mit der politischen Wende wechselten die Vorzeichen für das Vorhaben. Gleich 1990 verzichtete das EKO Eisenhüttenstadt auf den künftigen Bezug von Pellets vom BAK Kriwoi Rog. Der neue Hausherr der deutschen BAK-Baustelle wurde das Bundesministerium für Wirtschaft, und das forderte von der UdSSR, später von der selbstständigen Ukraine marktwirtschaftliche Neubewertung des BAK Abkommens. Der ukrainische Industrieminister erkannte die ineffektive Technologie, das minderwertiges Endprodukt, die schlechten Absatzaussichten und immense Schulden. Sollte er dieses UdSSR-Erbe annehmen? Er schwieg unentschlossen. Der damalige Wirtschaftsminister Möllemann freute sich: Kein Vertragspartner zu sichten - keine Vertragspflichten mehr! Anfang Juni 1992 wurden die 1300 Arbeiter binnen weniger Tage nach Hause gebracht. Sieben Jahren harter Arbeit der Projektanten, Ingenieure, Bauarbeiter und der Arbeiter aus den Zulieferbetrieben und letzten Endes zwei Milliarden von DDR und BRD verausgabte D-Mark waren zur Luftnummer geworden. Dem deutschen Ausstieg folgten die anderen Länder, seit 1997 steht der Bau völlig. Hauptursache für den Baustopp war Unvermögen oder Unwille der wechselnden ukrainischen Regierungen, den Fortbau des Kombinates ausreichend zu finanzieren. Zur DDR-Zeit war das Vorhaben BAK in der DDR-Öffentlichkeit kaum bekannt geworden, nur in der Wendezeit schlug es kurz Wellen als „Milliardengrab“. Sollten die Mühen umsonst gewesen und vergessen sein? Eine Initiativgruppe einstiger Baubeteiligter beschloss, die Geschichte des BAK Kriwoi Rog in einem Buch festzuhalten. Das Buch soll auch zeigen, wie es heute um das Kombinat steht. Um das zu erkunden, fahren Ende des Sommers 2005 wir, zwei ehemals am BAK Beteiligte, nach Dolinskaja zu unserem früheren Kollegen und Freund Sascha Lasarew. Im Ort entdecken wir viel Neues: neue oder rekonstruierte Verkaufsstellen, alle reich gefüllt mit dem, was früher nicht oder nur knapp zu haben war, kleine Gaststätten, Bars, Bankfilialen mit Geldautomaten, ein neuerrichtetes Arbeitsamt, das aber keine Arbeit in Dolinskaja vermitteln kann, vergoldete Zwiebelkuppeln der Ortskirche. Aber wir sehen auch einige „Bauleichen“, halbfertig mit vergitterten Eingängen: Krankenhaus, Wohnhäuser, ein Kindergarten, eine Berufsschule – allesamt Opfer der Unterfinanzierung des BAK.
Arbeit an neuen Technologien
Die größeren Investruinen, halbfertige Werkhallen und
-gebäude, sehen wir dann auf dem Weg zur BAK-Direktion, wo wir mit
den früheren Direktoren Viktor Welitschko, Iwan Dsjuba und Leonid
Solotko verabredet sind. In den Gesprächen geht es um die Lage und
die Perspektive. Während viele Experten in Deutschland die Aufbereitung
oxidierter Eisenerze als perspektivlos ablehnen, sind sie überzeugt:
„Das ist die Perspektive des Erzreviers Kriwbass!“ Man
müsse jetzt schon bis in 1200 bis 1500 Meter Tiefe, um brauchbares
Magnetiterz zu gewinnen, die Förderung werde immer teurer. Oxidiertes
Eisenerz aber braucht man nur von der Halde zu holen – Milliarden
Tonnen liegen dort. Trotz der prekären Lage -
Auktion live im Fernsehen Am 26. Oktober 2005 verfolgte die Ukraine gespannt die Live-TV-Übertragung einer Auktion. Das Metallurgische Kombinat Kriwoi Rog kommt unter den Hammer. Die Orange-„Revolutionäre“ hatten im Wahlkampf verkündet, Kutschmas Discount-Privatisierungen aufzurollen. Der Metallurgie-Gigant war 2004 für 4,26 Milliarden Hrywna (800 Millionen Dollar) dem Kutschma-Schwiegersohn Pintschuk zugeschanzt worden. In der Bieterschlacht, die bei 10 Milliarden Hrywna startete, erhielt den Zuschlag schließlich für 24,2 Milliarden Hrywna (4,9 Milliarden Euro) die Mittal Steel Germany GmbH, Tochter der Mittal Steel, heute weltgrößtes Stahlimperium. Freudig die Statements von Lakshmi Mittal, Vorstandsvorsitzender der Mittal Steel. Nicht nur einen kostengünstigen Qualitätsedelstahl-Produzenten hat er erworben, über das Kombinat hat er nun Zugriff auf Vorräte von einer Milliarde Tonnen Eisenerz - die Quellen, aus denen auch das BAK Kriwoi Rog versorgt werden soll. Kritiker innerhalb der Ukraine werteten diesen Verkauf als negativ für die ökonomische Sicherheit der Ukraine. Die Mittal Steel hat seit dem Kauf von „Kryvorizhstal“ die Hände nicht in den Schoß gelegt. Das Interesse am BAK Kriwoi Rog ist ungebrochen und wurde kürzlich auf einem Treffen mit dem amtierenden Premierminister Jechanurow bestätigt. Und nach wie vor ist Mittal Steel nicht der einzige Kaufinteressent für das BAK. Wenn der ukrainischen Staat schon kein Interesse am BAK hat, so scheint seine Zukunft also nicht unsicher zu sein. Aber dafür müsste die Regierung den Verkauf auch ernsthaft in Angriff nehmen. Im Februar 2006 sieht es aber immer noch nicht danach aus. Aufgrund der fehlenden Finanzierung durch den Staat kann die BAK-Direktion an ihre Mitarbeiter seit September 2005 keine Löhne mehr auszahlen. Im Januar dieses Jahres mussten die Mitarbeiter Zwangsurlaub nehmen, weil die Direktion kein Geld hatte, um Dieselkraftstoff für die Werksbusse zu kaufen. Nun ist die Situation weiter eskaliert. Da die BAK-Direktion 1,8 Millionen Hrywnja Schulden beim Stromversorger „Kirowogradoblenergo“ hat, wurden Teile des Werks von der Stromversorgung abgeschaltet. Vom Werk aus wird der Ort Dolinskaja mit Strom, Gas, Wasser und Heizwärme versorgt. Aufgrund der starken Minustemperaturen, es sind bis zu minus 25 °C, hat der Energieversorger vorerst eine komplette Stromabschaltung aufgeschoben - wahrscheinlich bis es wärmer wird. Die Direktion hat Protestschreiben an die Regierung und alle kompetenten Stellen verschickt und fordert eine ausreichende Finanzierung, die Belegschaft droht mit Streik. Doch das jüngste Statement von Industrieminister Schandra unterschied sich nicht von anderen Äußerungen der Regierung in der letzten Zeit: Ob der Endtermin der Privatisierung 1. März gehalten werden könne, sei ungewiss. Der Privatisierungsprozess sei kompliziert, da auch Rumänien und die Slowakei Miteigentümer des Kombinats seien. Und wie das Parlament über die Privatisierung entscheide, könne er nicht voraussagen. Wird das Werk vieler tausender Arbeiter und Ingenieure aus fünf Ländern nun endgültig kaputt gespielt?
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