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Was ist das "BAK"?


"BAK" ist die Abkürzung für Bergbau- und Aufbereitungskombinat Kriwoi Rog.

Das Bergbau- und Aufbereitungskombinat Kriwoi Rog war ein von der UdSSR initiiertes Gemeinschaftsvorhaben mehrerer sozialistischer Länder im Rahmen des Rates für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW — Wirtschaftsorganisation der sozialistischen Länder). Nach der Erdgastrasse Urengoi–Ushgorod war es das größte RGW-Gemeinschaftsvorhaben. Von seinen Dimensionen her gehört das BAK zu den größten Industrievorhaben weltweit.

Beteiligt waren neben der UdSSR vier weitere Länder — die CSSR, Rumänien, die DDR und die Volksrepublik Bulgarien.

Der Standort des Vorhabens liegt am Rand des Orts Dolinskaja in der Mittelukraine (ca. 55 Kilometer von Kriwoi Rog, 400 Kilometer südlich von Kiew).

Ziel des Vorhabens war die Gewinnung von oxidiertem Eisenerz aus zwei Tagebauen in Kriwoi Rog mit geringen Eisengehalt von ca. 34–40 % und dessen Aufbereitung, d.h. die Gewinnung eines Erzkonzentrats mit einem höheren Eisengehalt.

Das zur Verarbeitung vorgesehene oxidierte Erz fällt als Abprodukt der Eisenerzförderung in Kriwoi Rog an und wird derzeit auf Halde geschüttet, weil es schwachmagnetisch ist und sich mit der herkömmlichen Magnetscheidungstechnologie nicht aufbereiten läßt. Zuvor wurde dieses Erz in einer Anlage in Kriwoi Rog durch magnetisierendes Rösten für die Magnetscheidung zugerichtet, was extrem energieaufwändig und extrem umweltbelastend war.

Um das oxidierte Eisenerzes umweltfreundlich aufbereiten zu können, wurde eine neue Technologie entwickelt, die im BAK Kriwoi Rog erstmals großtechnisch angewendet werden sollte. Als Endprodukt sollten im Hochofen effektiv zu verarbeitende Eisenerzpellets mit einem hohen Eisengehalt erzeugt werden. Die geplante Endkapazität der Anlage war 33,7 Millionen Tonnen/Jahr.

Das Werksgelände des BAK Kriwoi Rog aus der Luft

Das Werksgelände des BAK Kriwoi Rog aus der Luft


Kosten: Der geplante Kostenumfang der Investition lag bei 1,7 Milliarden sowjetischer Rubel auf der Basis sowjetischer Binnenpreise von 1984.

Die Länder waren mit folgenden Anteilen am Gesamtkostenumfang beteiligt: DDR 4,74 % (Stand 1987), Ukraine 53,72 %, Rumänien 27 %, CSSR 16,18 %; Bulgarien 0,36 % (Berechnungsstand für die anderen Länder 2003).


Baubeginn war 1985.

In den Spitzenzeiten arbeiteten etwa 10.000 Bauarbeiter an dem Vorhaben.
Aus Deutschland war bis zu 1.300 Bauarbeiter vor Ort, wobei auf Grund der Zyklus-Arbeitweise immer ein Viertel bis ein Drittel des Gesamt-Personalbestands auf Urlaub war.

Problempunkte des Vorhabens waren:

— Die komplizierte Verflechtung der Leistungsumfänge der Teilnehmeränder — ein vergleichbares internationales RGW-Gemeinschaftsvorhaben gab es vorher nicht. (An den bis dahin gebauten Erdgastrassen hatte jedes beteiligte Land seinen separaten Bauabschnitt.)

— Technologieentwicklung und Bauprojektierung überschnitten sich teilweise, so dass Projektänderungen erforderlich wurden.

— Der Entwicklungsstand der Technologie war anfangs ungenügend, so dass ursprünglich Eisenerz-Pellets mit einem der Metallurgie ungenügenden Eisengehalt in Aussicht standen.

— Für einen Teil der Länder (speziell die DDR) war das Vorhaben aufgrund der Basierung auf sowjetischen Inlandspreisen und der Notwendigkeit der Vorfinanzierung durch die beteiligten Länder ökonomisch unvorteilhaft.

— Im RGW bestanden keine einheitlichen Standards für die Projektierung von Industrieanlagen (wie dies heute auch in den kapitalistischen Industrieländern der Fall ist).

— Die DDR-Volkswirtschhaft musste die Leistungen für das Vorhaben BAK zusätzlich zu den bereits bestehenden Volkswirtschaftplänen erbringen; die in der UdSSR eingesetzten Arbeitskräfte und die dorthin gelieferten Ausrüstungen und Baukonstruktionen fehlten für Vorhaben in der DDR.

Die Problempunkte werden in einer Reihe von Beiträgen des Buches "Das eiserne Problem des Sozialismus" ausführlich dargestellt.

>>> Warum beteiligte sich die DDR trotz dieser und weiter Kritikpunkte an diesem unvorteilhaften Vorhaben?
Diese Frage wird in mehreren Artikeln des Buches "Das eiserne Problem des Sozialismus" behandelt.


Baustopp: Deutschland hat seine Beteiligung 1992 eingestellt (bei einem Fertigstellungsgrad von ca. zwei Dritteln), was neben den Wendefolgen unter anderem auch durch die "Geburtsfehler" des Projekts bedingt war.

Der von der DDR und der BRD im Rahmen ihres Beteiligungsumfangs bis zum Baustopp real geleistete Gesamtaufwand unterschied sich von den UdSSR-Binnenpreisen erheblich und wurde von deutscher Seite mit ca. 2 Milliarden DM bewertet.

Die bulgarische Bauorganisation brach ihre Arbeiten 1990/1991 ab.

Der tschechoslowakische Leistungsumfang wurde im Rahmen der Staatsteilung von der Slowakei übernommen, die die Bauarbeiten 1996 einstellte.

Die rumänische Bauorganisation stoppte ihre Arbeiten 1997 (Fertigstellungsgrad der Objekte etwa 80 %).

Gründe für Abbruch der Bauarbeiten und den seit 1997 fortdauernden totalen Baustillstand waren — neben einigen der oben genannten Problempunkten — der Zusammenbruch des RGW-Marktes und die Öffnung hin zum Weltmarkt, die anfangs der 1990er Jahre herrschende Stahlkrise, der Zerfall der UdSSR, Krisenzustände und Finanzierungsprobleme seitens des neuentstandenen Staates Ukraine. Näheres dazu im Buch "Das eiserne Problem des Sozialismus".

Hat das Vorhaben BAK auch heute keine Perspektive?
Es gab und gibt eine Reihe von Faktoren, die durchaus für eine Fertigstellung des Vorhabens sprechen:

— der kostenlos bereitstehende Rohstoff oxidiertes Eisenerz, der bisher auf Halde gekippt wird,

— die Notwendigkeit der Lösung des ökologischen Problems der Halden in Kriwoi Rog,

— der 2010 bereits wieder hohe Weltmarktpreis für Eisenerz, der möglicherweise durch die Preistreiberei der führenden Eisenerzfördererer weiter anwächst,

— die neuen Ergebnisse der Forschungen auf dem Gebiet der Aufbereitung des oxidierten Eisenerzes von Kriwoi Rog, die ein Konzentrat bzw. Pellets mit einem weltmarktfähigen Eisengehalt versprechen,

— die bereits vorhandenen, in langjähriger Arbeit mit großem Aufwand errichteten Anlagen und Ausrüstungen und der bestehende Haldenteich mit einem riesigen Fassungsvermögen.

Andererseits bestehen Zweifel am Sinn der Nutzung der in Dolinskaja bestehenden Anlagen, da diese auf einem überholten technischen Niveau basieren (sehr hoher Energiebedarf, Überdimensionierung bestimmter Ausrüstungen u.a.) und seit langen Jahren ungenutzt verrotten.

Trotzdem gab und gibt es im Jahr 2010 unter den nationalen und internationalen Stahlkonzernen eine Reihe von Interessenten, die lebhaftes Interesse an der Übernahme der Anlage haben und das für die Fertigstellung notwendigen Kapital (geschätzt 800 Millionen bis 1 Milliarde US-$) bereitstellen wollen. Eine Fortführung des Baus wird in der Ukraine seit Längerem in verschiedenen Varianten erwogen, scheiterte aber bislang an einer Reihe von Gründen. Um dem Projekt BAK und damit der Bevölkerung der strukturschwachen Region Dolinskaja eine reale Perspektive zu sichern, sind entschiedene Maßnahmen der Führung der Ukraine erforderlich — mit der Unentschiedenheit, die in der Politik seit 1997 bestimmend war (
Näheres), muss gebrochen werden.

Im Jahr 2010 ist das 25.Jubiläum der Eröffnung der internationalen Großbaustelle BAK Kriwoi Rog. Aus diesem Anlass richteten frühere Mitarbeiter der deutschen BAK-Baustelle ein Schreiben an den Präsidenten und den Ministerpräsidenten der Ukraine. (Näheres)

 

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